Der erste Arbeitsvertrag

(Gastbeitrag: Arno Schrader, Rechtsanwalt)

Der erste Arbeitsvertrag – endlich! Das Studium ist beendet, viele kleinere Jobs mit vielen unwichtigen Arbeitsverträgen liegen hinter Ihnen. Jetzt geht es richtig los und der Start in eine erfolgreiche Berufskarriere beginnt. Sie freuen sich: Sie haben sich bei verschiedenen Unternehmen beworben, Vorstellungsgespräche und Assessment-Center überstanden und sollen nun Ihren ersten Arbeitsvertrag erhalten. Sie warten schon gespannt auf die E-Mail oder den Postboten. Dann kommt die pdf oder der dicke Umschlag mit einem Arbeitsvertrag in zweifacher Ausfertigung mit jeweils 12 DIN-A4-Seiten.

Sie hatten mit Vielem gerechnet, aber dass der Arbeitsvertrag noch dicker als Ihr Mietvertrag ist, damit nun nicht gerade. Warum eigentlich nicht? Das Arbeitsverhältnis ist mindestens genau so wichtig wie ein Mietverhältnis. Wie gehen Sie also nun mit dem „Wälzer“ um?

Sehen Sie es positiv. Was eindeutig arbeitsvertraglich geregelt ist, kann zu keinerlei Streitigkeiten führen. Klare vertragliche Absprachen sind häufig sowohl für Arbeitgeber, als auch für Arbeitnehmer von Vorteil.

Falls Sie sich jedoch in einzelnen Punkten nicht sicher sind, gilt Folgendes:

  1. Unklarheiten im Arbeitsvertrag gehen zu Lasten Ihres künftigen Arbeitgebers. Ist etwas missverständlich oder unklar ausgedrückt, hat in aller Regel Ihr Arbeitgeber Pech.
  2. Sollen Sie ohne schriftlichen Arbeitsvertrag beginnen, ist dies grundsätzlich auch kein Problem. Viele Arbeitsverträge werden auch in der heutigen Zeit noch mündlich abgeschlossen. Auch hierbei gilt: Unklarheiten gehen in der Regel zu Lasten Ihres Arbeitgebers. Streit ist natürlich vorprogrammiert, wenn nicht klar ist, wie lange Sie für wie viel Geld arbeiten sollen. Verlangen Sie in einem solchen Fall einen Nachweis über Ihre Arbeitsbedingungen. Diesen muss Ihnen Ihr Arbeitgeber nach § 1 des Nachweisgesetzes aushändigen.
  3. Liegt Ihnen der schriftliche Vertrag vor und haben Sie Zweifel an einzelnen Klauseln, lassen Sie den Vertrag prüfen. Sprechen Sie einen Fachanwalt für Arbeitsrecht an und fragen Sie danach, was eine solche Prüfung kostet. Sie werden erstaunt sein, für wie wenig Geld Rechtsanwälte gelegentlich bereit sind, zu arbeiten. Ein versierter Arbeitsrechtler wird einen solchen Arbeitsvertrag mit Ihnen in einer Stunde durchsprechen können. Wenn Sie hierfür 50 bis 80 Euro zuzüglich Umsatzsteuer zahlen, sollte der Anwalt damit zufrieden sein. Wichtig: Vereinbaren Sie dies vorher!
  4. Einige Klauseln können, müssen und sollten enthalten sein. Hier die wichtigsten Muss-Vertragsinhalte, auf die Sie unbedingt Wert legen:
  • Name und Anschrift der Vertragsparteien
  • Beginn des Arbeitsverhältnisses
  • eine ordnungsgemäße Befristung, soweit vereinbart
  • den Arbeitsort
  • eine Beschreibung der Tätigkeit
  • die Höhe des Arbeitsentgelts
  • die Arbeitszeit
  • die Dauer des Urlaubs
  • einen Hinweis darauf, ob und ggf. welche Tarifverträge auf das Arbeitsverhältnis Anwendung finden

Ein letzter Tipp: Finden Tarifverträge auf Ihr Arbeitsverhältnis Anwendung, lassen Sie sich diese zu Beginn des Arbeitsverhältnisses aushändigen oder wenigstens einen Link geben, wo Sie diese finden. Tarifvertragliche Bestimmungen haben unmittelbare Auswirkungen auf Ihr Arbeitsverhältnis. Dann sollten Sie auch wissen, was in den Tarifverträgen steht, oder?

Autor dieses Gastbeitrags:
Arno Schrader
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Arbeitsrechtl
Kurfürstenstraße 14
32052 Herford
Tel.: ++49 52 21 – 16 90 90
Fax: ++49 52 21 – 16 90 91
E-Mail: ra-schrader@teleos-web.de
My XING-profile: http://www.arnoschrader.de

Webseite: www.arbeitsrecht.org

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Eine Antwort

  1. Danke für die Tipps Jungs!! Freue mich schon total auf meinen 1. Arbeitstag :)

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